Das Eigenheim – (k)ein Traum?

Von Fabian Schnell, Geschäftsführer HEV Aargau

Eine kürzlich erschienene Studie der Raiffeisenbank Schweiz schlug Alarm: Der Kauf eines Eigenheims werde für junge Menschen immer schwieriger. 28 Jahre sparen müsse man, um sich nur schon ein durchschnittliches Einfamilienhaus (EFH) leisten zu können, konnte man in diversen Medien lesen. Der Aufschrei war gross – ganze Generationen würden so vom steigenden Wohlstand abgeschnitten.

Als Geschäftsführer des HEV Aargau ist man bei solchen Schlagzeilen natürlich ebenfalls alarmiert. Doch wie bedrohlich ist die Lage tatsächlich? Hier hilft eine einfache Rechnung mehr blosse Polemik. Nehmen wir ein junges Ehepaar, das über zehn Jahre hinweg konsequent den Maximalbetrag in die Säule 3a einzahlt. Aktuell sind das 7’258 Franken pro Person und Jahr. Klar verlangt das gerade zu Beginn des Erwerbslebens Disziplin und Verzicht. Dafür profitiert man von Steuervorteilen und baut systematisch Vermögen auf. Lässt man diese Gelder konservativ anlegen und rechnet mit einer durchschnittlichen Rendite von 3 Prozent pro Jahr, verfügt das Paar nach zehn Jahren allein in der dritten Säule über rund 170’000 Franken. Zählt man Gelder aus der Pensionskasse und weitere Ersparnisse hinzu, kommt man auf über 350’000 Franken Eigenkapital oder mehr.

Eine einfach Modellrechnung

Für ein durchschnittliches Einfamilienhaus im Kanton Aargau mit einem Preis von rund 1,2 Millionen Franken ist das ausreichend. Bleibt die Frage der Tragbarkeit. Nehmen wir an, beide Partner verdienen je den Schweizer Medianlohn von 7’000 Franken pro Monat. Damit ergibt sich ein Jahreseinkommen von knapp 170’000 Franken. Unter den regulatorischen Vorgaben liesse sich so sogar eine Hypothek von über 940’000 Franken finanzieren.

Diese Rechnung ist bewusst einfach und kann natürlich nicht alle individuellen Lebensumstände mit einbeziehen. Sie zeigt aber: Der «Traum vom Eigenheim» ist zwar anspruchsvoll – er verlangt Planung, Sparwillen und Kontinuität –, jedoch keineswegs nur ein Privileg der «Oberschicht».

Angriff auf Eigentumsfreiheit irritiert

Umso irritierender ist der Vorschlag aus der Raiffeisen-Studie, Baulandreserven notfalls mittels Enteignungen zu aktivieren. Natürlich tut eine Ausweitung der Bautätigkeit Not. Aber einen derartigen Eingriff in die Eigentumsfreiheit zu fordern, ist schlicht schamlos und lässt sich kaum anders erklären, als dass sich die Bank dadurch mehr Möglichkeiten für Immobilienfinanzierungen erhofft. Sie sollte sich dann allerdings nicht wundern, wenn die Politik im Gegenzug die Eigentumsgarantie bei der Bankenregulierung dann auch nicht so hoch gewichtet.

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