Mehr Wohnungen, weniger Druck

In der Wohnpolitik schaffen es immer wieder Ideen fern jeder ökonomischen Vernunft in die Öffentlichkeit. Dabei ist die belegbare Realität relativ simpel: Mehr und bezahlbarerer Wohnraum entsteht nicht durch ideologische Parolen, sondern durch bessere Rahmenbedingungen, mehr Investitionen und mehr Wohnungen.

Von Fabian Schnell, Geschäftsführer HEV Aargau

In der Diskussion um die richtige Wohnpolitik begegnen uns seit Jahren die gleichen abgedroschenen Phrasen. «Der Wohnungsmarkt ist kein Markt wie jeder andere», heisst es etwa. Oder: «Man kann nicht nicht wohnen.» Beides klingt einleuchtend. Doch dienen solche Sätze vor allem einem Zweck: Sie sollen noch mehr staatliche Eingriffe in einen Markt rechtfertigen, der bereits heute überreguliert ist.

Natürlich ist Wohnen ein Grundbedürfnis. Aber das gilt auch für Essen, Kleidung und heute wohl selbst für das Smartphone. Niemand käme deshalb ernsthaft auf die Idee, die Marktkräfte in all diesen Bereichen ausser Kraft zu setzen. Im Gegenteil: Wettbewerb und Innovation sorgen dafür, dass Güter verfügbarer und langfristig erschwinglicher werden. Warum sollte beim Wohnen das Gegenteil gelten?

Von der angeblichen «Wohnkrise» zur Kritik an der Marktwirtschaft

Den Vogel abgeschossen hat kürzlich eine ETH-Wohnforscherin, die in einem Interview mit dem Tages-Anzeiger behauptete, mehr zu bauen bringe nichts gegen die «Wohnkrise». Verbunden wurde diese Aussage noch mit etwas kruder Kapitalismuskritik. Mal abgesehen davon, dass das Wort «Krise» ohnehin komplett überrissen ist und vor allem der politischen Panikmache dient, ist das einfach nur noch ideologischer Blödsinn.

Mehr Wohnungen entspannen den Markt, das zeigen auch diverse empirische Studien[1]. Das heisst nicht, dass jede neu erstellte Wohnung automatisch günstig ist. Neubauten schaffen aber Bewegung. Wer in eine neue Wohnung zieht, macht eine bisherige Wohnung frei. Diese wird wiederum von jemand anderem bezogen, der seinerseits Wohnraum freigibt. So entstehen Umzugsketten, die den Markt entlasten.

Ökonomische Realität nicht ausblenden

Gerade an stark nachgefragten Standorten ist die Lage mit einem Dampfkochtopf vergleichbar. Die Nachfrage steigt, das Angebot bleibt zu knapp, und die Regulierung hält den Deckel fest verschlossen. Wer behauptet, mehr zu bauen bringe nichts und es brauche nur strengere Vorschriften, will, statt der Heizplatte runterzudrehen, einfach den Deckel noch fester zudrücken. Man darf sich dann nicht wundern, wenn der Kessel zu explodieren droht. Die Schweiz braucht keine Wohnpolitik, die ökonomische Realität ausblendet und mit Krisenrhetorik Panik schürt. Sie braucht bessere Rahmenbedingungen für Investitionen, schnellere Verfahren, mehr Verdichtung an den richtigen Orten und weniger ideologische Scheuklappen. Wer bezahlbaren Wohnraum will, darf das Bauen nicht erschweren. Er muss es ermöglichen.


[1] Vgl. zum Beispiel: Mense, A. (2025). The Impact of New Housing Supply on the Distribution of Rents. Journal of Political Economy Macroeconomics, 3(1), pp. 1-42.