Eine Ode an das Einfamilienhaus

Die Debatte um angeblich «unterbelegte» Einfamilienhäuser greift zu kurz. Wer ältere Eigentümerinnen und Eigentümer zur Ursache der Wohnungsnot erklärt, verkennt nicht nur den Wert des Privateigentums, sondern auch die gesellschaftlichen, sozialen und innovativen Stärken des Einfamilienhauses.

Von Fabian Schnell, Geschäftsführer HEV Aargau

Die Empörung war gross, als jüngst eine Studie des Bundesamts für Wohnungswesen suggerierte, die «Babyboomer» in ihren Einfamilienhäusern seien eine gewichtige Ursache der Wohnungsnot. In der öffentlichen Debatte entstand rasch der Eindruck, Menschen in sogenannt unterbelegten Häusern sässen auf Wohnraum, der ihnen eigentlich nicht mehr zustehe. Der Schritt zur impliziten Forderung nach Verdrängung oder gar Enteignung war in manchen Kommentaren nicht mehr weit. Markus Meier, Direktor des Schweizer Hauseigentümerverbands, hat in einer seiner jüngsten Kolumnen klar festgehalten, was von solchen Angriffen auf das Privateigentum zu halten ist: nichts. Dass sich der HEV mit aller Entschlossenheit zur Wehr setzen würde, versteht sich von selbst.

Falsche Geringschätzung des Einfamilienhauses

Was mich an dieser Debatte aber besonders stört, ist die ständige und oft unwidersprochene Geringschätzung des Einfamilienhauses als Wohnform. Gerade Architekten aus akademischen Kreisen und Raumplanungs-Technokraten lassen die Öffentlichkeit ihre Abneigung regelmässig spüren. Es sei ineffizient, verbrauche zu viel Land und binde zu viel Wohnfläche pro Person. Dass ausgerechnet das Einfamilienhaus für viele junge Schweizerinnen und Schweizer nach wie vor die Wohnform ihrer Träume ist, wird dann gerne als Ausdruck mangelnder Aufklärung abgetan. Ganz nach dem Motto: Die Bevölkerung weiss nicht, was gut für sie ist.

Dabei kommen die Verteidiger des Einfamilienhauses viel zu selten zu Wort. Das ist bedauerlich. Denn diese Wohnform hat nicht nur aus individueller Sicht, sondern auch aus gesellschaftlicher Perspektive viele Stärken. Sie bietet ein Höchstmass an Privatsphäre und Gestaltungsspielraum und erlaubt es, den eigenen Vorstellungen von Wohnen, Heimat und Lebensqualität Ausdruck zu verleihen. Gerade deshalb sind Einfamilienhausquartiere nicht monoton, sondern lebendig und vielfältig. Sie bilden das Gegenstück zu Betonwüsten und architektonischem Einheitsbrei.

Hohes Engagement der Eigentümer

Eigentümerinnen und Eigentümer pflegen Haus und Umgebung in aller Regel selbst und mit grosser Sorgfalt. Das macht Einfamilienhausquartiere attraktiv und schafft eine Vielfalt an Gärten und Aussenräumen. Auch das Nachbarschaftsgefühl ist oft besonders ausgeprägt. Das stärkt die soziale Bindung und fördert das Engagement für das Gemeinwesen.

Schliesslich sind Einfamilienhäuser immer wieder auch Experimentierfelder für Neuerungen, gerade im Energiebereich. Neue Technologien lassen sich hier im Kleinen erproben, bevor sie im grossen Massstab ausgerollt werden. Das Einfamilienhaus soll und darf deshalb weiterhin eine Zukunft haben. Dass es heute so unter Druck steht, hat nicht zuletzt mit einer gescheiterten und viel zu starren Raumplanungsgesetzgebung zu tun. Umso wichtiger ist es, den Wert des Einfamilienhauses wieder offensiv zu verteidigen.