Halbgare Studie, klare Absicht

Von Fabian Schnell, Geschäftsführer HEV Aargau

Vor Kurzem geisterten wieder einmal die Resultate einer Umfrage durch die Schweizer Medien. Sie zeichneten ein düsteres Bild: Der Alltag von Mietern sei geprägt von Konflikten mit den Vermietern, von Angst vor dem Wohnungsverlust und von einem Mietrecht, das angeblich die Vermieterseite bevorzuge. Dagegen helfen sollen – wenig überraschend – die altbekannten Forderungen des Mieterverbands: stärkere Mietpreiskontrollen, die automatische Weitergabe von Mietzinssenkungen – von Mietzinserhöhungen war bezeichnenderweise nicht die Rede – und noch mehr subventionierter Wohnraum.

Kritiklose Medien

Dass die Umfrage für manche dieser Behauptungen jede saubere Begründung schuldig blieb, störte viele Medien erstaunlich wenig. So wurden die Ergebnisse etwa vom Tages-Anzeiger oder vom Portal watson weitgehend unkritisch übernommen. Das ist umso fragwürdiger, als der Auftraggeber der Umfrage ausgerechnet der Schweizerische Mieterverband war. Und ausgehend vom Setting darf man mit guten Gründen annehmen, dass primär Personen aus dessen Umfeld oder gar dessen Mitglieder an der Befragung teilgenommen haben.

Man stelle sich den umgekehrten Fall vor: Der HEV hätte letztes Jahr unter seinen Mitgliedern eine Umfrage zum Eigenmietwert durchgeführt und danach freudig verkündet, wie überwältigend die Zustimmung zu dessen Abschaffung sei. Die mediale Kritik wäre zu Recht vernichtend ausgefallen. Fakt ist: Andere Erhebungen zeichnen seit Jahren ein deutlich differenzierteres Bild. So zeigen etwa der Immo-Barometer von Wüest Partner, SVIT und HEV oder die Umfrage der Pensimo Gruppe zur Zufriedenheit der Wohnungsmieterschaft, dass die Zufriedenheit vieler Mieterinnen und Mieter mit ihrer Wohnsituation hoch ist. Natürlich ist der Preisdruck gerade in den urbanen Zentren real. Daraus jedoch pauschal einen grundlegenden Konflikt zwischen Vermietern und Mietern zu konstruieren und daraus noch mehr Regulierung abzuleiten, greift klar zu kurz.

Kein zufälliger Zeitpunkt

Der Zeitpunkt dieser Umfrage ist denn auch kaum zufällig. Im Juni stimmt der Kanton Zürich über die potenziell äusserst schädliche Wohnschutz-Initiative ab. Diese würde Sanierungen bestehender Wohnungen faktisch massiv erschweren oder gar verunmöglichen. Der Urnengang in unserem Nachbarkanton hätte Signalwirkung für die ganze Schweiz. Hoffen wir, dass sich die Zürcher Stimmbevölkerung nicht von halbgaren Umfragen und willfährigen Schlagzeilen beeinflussen lässt.